Nachhaltigkeit lässt sich selten anhand einer einzigen Kennzahl messen. In komplexen Systemen wirkt sich die Verbesserung eines Aspekts oft auf einen anderen aus – Effizienz kann auf Kosten der Wartbarkeit gehen, Leistung kann zu einem höheren Materialverbrauch führen und kurzfristige Optimierungen können die langfristige Wirkung untergraben. Das Projekt „Managing Sustainability Tradeoffs“ (MAST) geht diese Realität direkt an, indem es Methoden und Werkzeuge entwickelt, um Nachhaltigkeitskompromisse in realen Systemen zu identifizieren, zu analysieren und zu managen.
MAST ist ein von der ITEA finanziertes internationales Forschungs- und Entwicklungsprojekt mit Anwendungsfällen in Dänemark, Portugal und den Niederlanden. Das Projekt konzentriert sich auf softwareintensive Systeme und berücksichtigt dabei, dass digitale Technologien zunehmend Einfluss darauf haben, wie Produkte entwickelt, betrieben und gewartet werden – und damit letztlich auch darauf, wie nachhaltig sie sind. Cirmar leistet über seine Muttergesellschaft FBBasic einen Beitrag zu MAST und bringt sein Fachwissen in den Bereichen digitale Produktpässe und Standardisierung in das Projekt ein.

Viele Nachhaltigkeitsansätze konzentrieren sich auf isolierte Verbesserungen wie Energieeffizienz oder Emissionsreduzierung. MAST geht von einer breiteren Perspektive aus. In softwareintensiven Systemen wird die Nachhaltigkeit durch eine Kombination von Faktoren wie Effizienz, Wartbarkeit, Systemarchitektur und Materialverbrauch beeinflusst. Entscheidungen, die beim Software-Design getroffen werden, können sich ebenso stark auf die Lebensdauer der Hardware, die Upgrade-Zyklen und den Ressourcenverbrauch auswirken wie Entscheidungen zum physischen Design.
Innerhalb von MAST wird Nachhaltigkeit als eine Reihe miteinander verbundener Dimensionen betrachtet, die ausgewogen sein müssen, anstatt unabhängig voneinander optimiert zu werden. Dadurch werden Kompromisse sichtbar und Organisationen können fundierte Entscheidungen treffen, anstatt sich auf Annahmen zu verlassen.
Eines der charakteristischen Merkmale des MAST-Projekts ist die ausdrückliche Einbeziehung der Materialverwendung neben softwarebezogenen Aspekten. Softwaresysteme existieren nicht isoliert, sondern sind auf physische Infrastrukturen, Geräte und Komponenten angewiesen, deren Materialien und Lebenszyklen von Bedeutung sind.
Cirmar trägt über FBBasic zu dieser Perspektive bei, indem es sicherstellt, dass materielle Überlegungen ordnungsgemäß in Nachhaltigkeitsanalysen einfließen. Dazu gehört, das Verhalten digitaler Systeme mit physischen Produkten zu verknüpfen und zu verstehen, wie Designentscheidungen Materialflüsse, Austauschzyklen und Szenarien am Ende der Lebensdauer beeinflussen.
Im Rahmen des MAST-Projekts spielen digitale Produktpässe (DPPs) eine wichtige Rolle bei der Verknüpfung von Daten aus verschiedenen Disziplinen. Die Pässe bieten eine strukturierte Möglichkeit, die Produktzusammensetzung, die Systemarchitektur, die Auswirkungen auf den Lebenszyklus und Kreislaufoptionen zu dokumentieren. Sie tragen dazu bei, dass Nachhaltigkeitsinformationen nicht fragmentiert sind, sondern während der gesamten Entwicklung, dem Betrieb und der Rückgewinnung zugänglich sind.
Cirmar unterstützt die Erstellung und Strukturierung von DPPs innerhalb des Projekts und ermöglicht es Anwendungsfällen, sowohl digitale als auch physische Nachhaltigkeitsdaten auf kohärente Weise zu erfassen. Auf diese Weise können Kompromisse anhand realer Informationen auf Produktebene statt anhand abstrakter Indikatoren analysiert werden.
Damit Nachhaltigkeitsansätze skalierbar sind, müssen sie mit Standards übereinstimmen. Ein wesentlicher Beitrag von Cirmar und FBBasic innerhalb von MAST ist die Verbindung zwischen den Projektergebnissen und den laufenden Standardisierungsbemühungen. Durch die Angleichung von Methoden, Datenstrukturen und digitalen Tools an neue Standards trägt das Projekt dazu bei, dass seine Ergebnisse über einzelne Pilotprojekte hinaus angewendet werden können.
Diese Arbeit unterstützt die breitere Anwendung von Nachhaltigkeitsprinzipien bei der Entwicklung softwareintensiver Systeme und stärkt die Grundlage für künftige regulatorische und industrielle Rahmenbedingungen.
MAST vereint verschiedene Anwendungsfälle aus mehreren europäischen Ländern, die jeweils ihre eigenen Kontexte und Systemmerkmale aufweisen. Diese Vielfalt stärkt das Projekt, indem Methoden zum Nachhaltigkeitsabgleich in unterschiedlichen Umgebungen und Anwendungen getestet werden. Außerdem unterstreicht sie die Erkenntnis, dass es keine einheitliche Lösung gibt, sondern nur fundiertere Entscheidungen.
Durch ihren Beitrag zu diesen Anwendungsfällen helfen Cirmar und FBBasic dabei, theoretische Modelle in praktische Erkenntnisse umzusetzen, die Unternehmen bei der Konzeption, dem Betrieb und der Verbesserung komplexer Systeme anwenden können.
Im Kern geht es bei MAST um Klarheit. Indem Nachhaltigkeitskompromisse explizit gemacht werden, erhalten Organisationen die Möglichkeit, bewusste statt implizite Entscheidungen zu treffen. Diese Transparenz ist unerlässlich für den Aufbau von Systemen, die nicht nur effizient oder leistungsfähig sind, sondern auch langfristig wirklich nachhaltig.
Für Cirmar spiegelt die Teilnahme an MAST ein umfassenderes Engagement wider, digitale Tools, Materialintelligenz und Standardisierung in praktische Kreislaufstrategien zu integrieren. Es zeigt, wie Nachhaltigkeit in komplexe Systeme eingebettet werden kann – nicht als nachträglicher Einfall, sondern als integraler Bestandteil von Design und Entscheidungsfindung.